Die SPD-Fraktion im Celler Kreistag wird der Beschlussvorlage der Kreisverwaltung zur schrittweisen Auflösung der Pestalozzischule (BV/0174/2021-2026) nicht zustimmen. In ihrer Sitzung am heutigen Montag hat sich die Fraktion nach ausführlicher Beratung einstimmig gegen die geplante Schließung ausgesprochen. Über die Vorlage entscheidet der Kreistag am 30. Juni 2026.

Die Kreisverwaltung schlägt vor, an der öffentlichen Pestalozzischule ab dem Schuljahr 2027/2028 keine neuen Schülerinnen und Schüler mit dem Förderschwerpunkt Emotionale und Soziale Entwicklung (ES) mehr aufzunehmen und die Schule bis 2031 auslaufen zu lassen. Die Förderschulplätze sollen künftig vollständig auf die Evangelische Schule Celle in freier Trägerschaft übergehen, die dafür das Gebäude der Pestalozzischule anmieten würde.

Für die SPD-Fraktion ist diese Begründung nicht tragfähig. „In die Vorlage wird von der Kreisverwaltung wird selbst eingeräumt, dass für die vollständige Verlagerung auf einen freien Träger vor allem wirtschaftliche Gründe sprächen. Genau das ist unser Kritikpunkt: Über die Beschulung jener Kinder in unserem Landkreis, die besonders starke Fürsorge brauchen, darf nicht in erster Linie die Kostenfrage entscheiden", sagt Maximilian Schmidt, Vorsitzender der SPD im Landkreis Celle und stellvertretender Vorsitzender der SPD-Kreistagsfraktion.

Bildung sei eine hoheitliche und damit öffentliche Aufgabe – gerade für junge Menschen mit komplexen emotionalen und sozialen Belastungen. Der Landkreis dürfe seine Verantwortung als Schulträger nicht aus der Hand geben. Die Pestalozzischule sei eine etablierte, regional gut vernetzte öffentliche Förderschule: Sie lehne niemanden ab und führe keine Warteliste, sie sei nicht konfessionell gebunden, sie erstelle die sonderpädagogischen Gutachten selbst und führe ihre Schülerinnen und Schüler verlässlich zu Schulabschlüssen. Als Ausbildungsschule habe sie seit 2018 vierzehn Förderschullehrkräfte ausgebildet und leiste damit einen wichtigen Beitrag gegen den Lehrkräftemangel.

Besonders kritisch sieht die Fraktion die wachsende Abhängigkeit von einem einzigen freien Träger. „Wenn wir unsere eigene öffentliche Förderschule aufgeben, verlieren wir die Steuerung über ein zentrales Angebot der Bildungslandschaft im Landkreis Celle. Die Verwaltung beschreibt selbst, dass der Landkreis dann weniger Einfluss auf die Versorgung vor Ort hätte. Das ist für uns kein Ausweis von verantwortungsvoller Schulplanung", so Angela Hohmann, Vorsitzende der SPD-Kreistagsfraktion.

Hinzu komme, dass die vorgelegte Absichtserklärung der Pestalozzi-Stiftung ausdrücklich unverbindlich sei und dem Ergebnis des Prüfprozesses nicht vorgreife. Auf einer solchen Grundlage die gesamte ES-Förderung im Landkreis umzubauen, sei aus Sicht der SPD nicht verantwortbar – zumal eine spezialisierte Förderstruktur nach ihrem Abbau so nicht wieder aufgebaut werden könne.

Die SPD-Fraktion betont, dass ihre Ablehnung sich nicht gegen die Arbeit der Evangelischen Schule Celle richte, die ihre Aufgabe gut erfülle. Es gehe um den Erhalt von Vielfalt und Wahlmöglichkeit in der Förderschullandschaft und darum, dass der Landkreis weiterhin selbst ein verlässliches öffentliches Angebot vorhält. „Eine funktionierende öffentliche Schule für die schwächsten Kinder schließt man nicht, um Geld zu sparen. Wir stehen deshalb ganz klar zur Pestalozzischule in Celle und werden die Schließung in der Kreistagssitzung am 30.06.2026 ablehnen. Wir werben dafür, dass sich hierfür eine Mehrheit im Kreistag findet“ , so Schmidt und Hohmann abschließend.